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Experten-Sprechstunde

Zahnimplantate für Parodontitis- und Risikopatienten

Dr. Stefan Schultheis

In dieser Experten-Sprechstunde beantwortet ein Experte Fragen von Patienten zum Thema Zahnimplantate für Parodontitis- und Risikopatienten

Zunächst möchte ich vorab feststellen, dass Zahnimplantate heutzutage eine außerordentlich sichere Therapie mit über 95 Prozent Erfolgsrate sind. Nichtsdestotrotz gibt es immer Dinge, die insbesondere in Hinsicht auf die Langlebigkeit verbesserungswürdig sind, denn jedes Zahnimplantat hat drei Problemzonen.

An den unteren Teil eines Zahnimplantats wächst der Knochen an. Um die Verbindung zwischen Implantatoberfläche und Knochen so innig wie möglich zu machen, wurde in den letzten Jahren viel Forschung bezüglich der Oberflächengestaltung betrieben. Die heutigen angerauten Oberflächen fördern das Knochenwachstum und die Verbindung zwischen Implantat und Knochen. Vergessen wird jedoch häufig dabei, dass es sich hier um einen direkten Kontakt zwischen einer metallischen Oberfläche und lebenden Knochenzellen handelt. Eine Diffusion von Metall-Ionen in das Knochengewebe hinein kann also nicht ausgeschlossen werden.

Das Standardmaterial für heutige Zahnimplantate ist Titan, sogenanntes Reintitan Grade4. Leider gehören zu den natürlichen Verunreinigungselementen von Titan die Metalle Nickel und Zinn. Diese findet man zwar nur in sehr geringen Mengen in Reintitan, das aber kann bei empfindlichen Patienten durchaus negative Auswirkungen haben. Es ist noch Gegenstand der Forschung, ob es sich bei der sogenannten "Titanallergie" von der häufig gesprochen wird, nicht tatsächlich um eine Allergie gegen Nickel oder Zinn handelt.

Um sicher zu verhindern, dass ungewünschte Metall-Ionen in den lebenden Knochen gelangen, muss die metallische Oberfläche mit einer ausreichend dicken, festhaftenden Titan-Oxidschicht bedeckt sein. Das genau ist die erste Anforderung an Zahnimplantate für Parodontitis- und Risikopatienten.

Die zweite Problemzone befindet sich bei Zahnimplantaten an der Verbindungsstelle zwischen dem im Knochen befindlichen Implantatteil, also der künstlichen Zahnwurzel, und dem Aufbauteil, auf das später die Zahnkrone oder Prothese montiert wird.

Die Bakterien-Dichtheit an dieser Verbindungsstelle ist das Problem. Hier gilt es zu verhindern, dass auf Dauer schädliche und entzündliche Bakterien in das Innere des Implantatkörpers eindringen können. In den letzten Jahren wurden viele Untersuchungen zu dieser Thematik unternommen und es existieren mehrere Lösungsansätze. Einer der Lösungsansätze ist die sogenannte "Schweizer Taucheruhr-Dichtung". Sie verhindert Mikrobewegungen zwischen Zahnimplantat und Zahnimplantat-Aufbau und gleichzeitig das Eindringen unerwünschter Bakterien in das Innere des Implantats. Dort eingedrungene Bakterien können zur sogenannten Periimplantitis und damit langfristig zum Implantat-Verlust führen.

Richtig, dabei handelt es sich um das den aus dem Knochen herausragenden Implantataufbau. Wie man sich leicht vorstellen kann, ist gerade die Mundhöhle dicht mit Bakterien besiedelt. Genau das ist das Problem für die Langlebigkeit eines Zahnimplantats im Munde. Die Bedeutung der Oberflächengestaltung des Implantataufbaus wurde lange vernachlässigt. Einerseits soll sich die Mundschleimhaut gut anheften, andererseits soll die Plaque-Akkumulation so weit wie möglich reduziert wird. Beides dient der Vermeidung der Besiedlung schädlicher Bakterien und damit der Vermeidung der Periimplantitis.

Um beide Eigenschaften, also eine gute Weichgewebsanhaftung und eine Vermeidung der Plaque-Akkumulationtion, zu erreichen, bedient man sich einer Zirkonnitrit-Hartstoffschicht. Sie ist im Vergleich zu reinem Titan zehnmal härter und besitzt eine extrem hohe Abriebfestigkeit. Diese harte Zirkonnitritschicht fördert die Weichgewebsanhaftung und gleichzeitig vermindert sie die Plaque-Akkumulation. Sie wirkt also entzündungshemmend. Damit wird die Gefahr der Periimplantitis deutlich verringert und die Chance der Langlebigkeit des Zahnimplantats deutlich erhöht.

Wie Sie wissen, ist jeder Zahnimplantat-Patient gehalten, regelmäßig eine professionelle Zahnreinigung in Anspruch zu nehmen. Dabei wird der aus dem Knochen herausragende Zahnimplantat-Aufbau von der Dentalhygienikerin mechanisch gereinigt. Die harte Zirkonnitrit-Schicht verhindert dabei, dass die Oberfläche durch den mechanischen Reinigungsvorgang verletzt wird und sich damit den Plaque-Anlagerungen neue Angriffsfläche geboten wird.

Unter Periimplantitis versteht man einen entzündlichen, meist irreversiblen Prozess um das Gewebe eines in Funktion befindlichen Implantats herum. Das führt unbehandelt unweigerlich zum Verlust von Stützknochen (Knochenschwund) und damit letztendlich zum Implantatverlust. Die Menge an sogenannten "späten Implantatverlusten" sind nicht zu unterschätzen und zu einem wesentlichen Teil auf die zerstörerische Wirkung einer Periimplantitis zurückzuführen.

Natürlich gibt es auch andere Ursachen eines so genannten "späten Implantatverlustes", wie beispielsweise falsche funktionelle Belastung der Prothetik, allgemeine Erkrankungen wie zum Beispiel Diabetes und mangelnde Inanspruchnahme der professionellen Nachsorge. An diesen Ursachen des Implantatverlustes können weder die Implantatgeometrie noch das Design der Implantatoberfläche etwas ändern.

Spezielle Zahnimplantate für Parodontitis- und Risikopatienten bewirken die deutliche Eindämmung der Gefahr einer Periimplantitis und der dadurch verursachten “späten Implantatverluste“. Ihre Hochleistungs-Eigenschaften bieten dem Patienten die Chance einer deutlich gesteigerten Langlebigkeit des Zahnimplantats. Das wirkt sich aus: Damit können wir den Patienten erweiterte Garantien geben, mehr Risikopatienten behandeln und allergische Reaktionen besser ausschließen.

Für die richtige Versorgung mit Zahnimplantaten für Parodontitis- und Risikopatienten gibt es einfache Kriterien, die erfüllt sein müssen:

  • Fundierte Erfahrung von mindestens einigen hundert gesetzten und prothetisch versorgten Zahnimplantaten im Jahr
  • Fundierte Erfahrung in der Parodontologie (Tätigkeitsschwerpunkt, Curriculum und/oder Master of Science Parodontologie)
  • neueste technische Diagnoseverfahren, wie beispielsweise 3D-Röntgen (Digitaler Volumentomograph, DVT)
  • ein hauseigenes Praxislabor oder enges Verhältnis zum lokalen Dentallabor
  • Zugriff auf internistische und kardiologische Fachärzte
  • Ein breites Anästhesie-Angebot von lokaler Betäubung über Sedierung bis zur Vollnarkose

Die Erfüllung dieser Kriterien bieten den Patienten maximale Sicherheit, raschestmögliche Versorgung und ein Minimum an Einschränkung ihrer Geschäftsfähigkeit.

Die Experten-Sprechstunde dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose und ersetzt eine Behandlung weder medizinisch noch rechtlich. Die Antworten spiegeln die Meinung des Autors wider und nicht die der Betreiber von www.pluspatient.de

Zuletzt aktualisiert am: 25.02.2020


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