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Expertensprechstunde:

Spinal Cord Stimulation (Rückenmarkstimulation)

Unser Experte, Dr. Christian Wille,  beantwortet uns im Rahmen dieser Expertensprechstunde Fragen von Patienten zum Thema "Spinal Cord Stimulation"

> zum Experten-Profil von Dr. Christian Wille

Was genau ist eine „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) ?

Die „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) ist ein gut etabliertes, neurologisches Therapieverfahren und gehört zu den so genannten neuromodulativen Verfahren. Im Bereich der Neurostimulation ist sie die am häufigsten angewendete Methode. An dieser Stelle ist jedoch zu erwähnen, dass die „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) nicht alle Schmerzen lindert.

Der hauptsächliche Einsatz der „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) findet bei Rücken- u. Beinschmerzen, vor allem nach Bandscheiben-Operationen, sowie bei neuropathischen Schmerzen (z.B. Morbus Sudeck) und Nervenschmerzen, verursacht durch Stoffwechselstörungen (z.B. bei Diabetikern), Anwendung. Viele Menschen sind hiervon betroffen und können oft nur mühsam ihre Alltagsaktivitäten bewältigen. Ihre Mobilität ist eingeschränkt und ihre Lebensqualität wird herabgesetzt.

Bei der Therapie der „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) wird der Hirnstrang des Rückenmarks von schwachen, elektrischen Impulsen stimuliert. Das hat zur Folge, dass bestimmte Nervenfasern angeregt werden und so die Übertragung von Schmerzen an das Gehirn unterbrochen wird. Der Patient verspürt lediglich ein schwaches Kribbeln im Schmerzbereich, das aber nicht störend, sondern vergleichbar mit einer Massage, als angenehm empfunden wird.

Wie funktioniert eine „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) ?

Für die Umsetzung einer „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) ist ein chirurgischer Eingriff notwendig, der jedoch minimalinvasiv ist. Dieser kann sowohl ambulant als auch stationär erfolgen. Bei einer solchen Operation wird eine Elektrode im Wirbelkanal, im sogenannten Epiduralraum, implantiert. Das ist in unmittelbarer Nähe des Rückenmarks, an der so genannten Dura (äußere Schicht des Rückenmarks und der Nervenwurzel). Um sicherzustellen, dass nach erfolgtem Eingriff die höchstmögliche, schmerzlindernde Wirkung erzielt wird, müssen verschiedene Positionen und Stimulationseinstellungen ausprobiert werden. Deshalb ist es wichtig, dass der Patient währen des Eingriffs bei Bewusstsein ist. Denn nur mit seiner Rückmeldung kann der Operateur den optimalen Sitz der Elektrode erreichen. Man unterscheidet 2 Systeme der „Spinal Cord Stimulation“(Rückenmarkstimulation):

  1. Vollimplantiertes System
  2. Teilimplantiertes System

Zur Steuerung und Stromversorgung der Impulse beim vollimplantierten System wird ein Impulsgenerator benötigt, der nach erfolgter Überprüfung der richtigen Elektrodenposition unter die Bauchdecke - ähnlich eines Herzschrittmachers - implantiert wird. Der Patient kann auf diese Weise mit einer Art Fernsteuerung eigenhändig die Stärke und Frequenz der Impulse regulieren. Beim teilimplantierten System wird ein Radiofrequenzempfänger mit Batterie am Körper getragen. Die Lebensdauer der Batterie bei beiden Systemen beträgt je nach Impulsfrequenz- und stärke ca. 3 – 9 Jahre. In beiden Fällen der „Spinal Cord Stimulation“(Rückenmarkstimulation) - Systeme wird vorher für einige Tage eine Testphase durchgeführt. Hierbei wird auch beim vollimplantierbaren System vor Einsatz des Impulsgenerators über ein externes Kabel die Wirkung getestet. Ist der Patient von der Wirkung nicht überzeugt, so kann die Elektrode ohne weiteres wieder entfernt werden. Sie hinterlässt an der gesetzten Stelle keinerlei Schäden.

Welche Risiken bestehen bei einer „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) ?

Obwohl das Setzen wie auch das Entfernen einer Elektrode ein minimalinvasiver Eingriff ist, erfordert er höchste Präzision und Erfahrung des Operateurs. Schließlich wird in der Nähe des Rückenmarks operiert. Deshalb ist es wichtig, im Vorfeld zu ermitteln, welcher Arzt hierauf spezialisiert ist und daher über die notwendige Erfahrung verfügt. Die Operation bei einer „Spinal Cord Stimulation“(Rückenmarkstimulation) findet hochsteril in einem modernen OP-Raum statt, sodass eine Sepsis (Infektion) ausgeschlossen werden kann. Bei der hier angewendeten Anästhesie verbleibt, wie bei jeder Narkose, ein minimales Restrisiko eventueller Komplikationen, die aber im Vorhinein in einem Aufklärungsgespräch mit dem Anästhesisten besprochen werden.

Wie lange dauert der Eingriff und an welcher Stelle der Wirbelsäule wird die Elektrode gesetzt?

Im Regelfall dauert der Eingriff ca. eine Stunde, abhängig davon, wie schnell die perfekte Position der Elektrode erreicht wird. Es wird mit einem kleinen Schnitt in Höhe des mittleren Brustwirbels operiert. Dabei befindet sich der Patient in Bauchlage. Alles erfolgt in einer Lokalanästhesie. 

Welche Vorteile hat diese Methode der „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) ?

Diese Art der Schmerztherapie hat zur Folge, dass die tägliche Einnahme von vielen Medikamenten entweder wegfällt oder zumindest deutlich reduziert werden kann. Dadurch verringern sich auch unerwünschte Nebenwirkungen wie Übelkeit, Schwindel etc. sowie dauerhafte Schädigungen einzelner Organe. Durch die eigenhändige Steuerung der Impulse durch den Patienten kann dieser jederzeit individuell auf die Schmerzschübe reagieren. Das sind kurz die Vorteile der „Spinal Cord Stimulation“(Rückenmarkstimulation).

Welche Nachteile gibt es?

Nicht alle Schmerzorte sind mit der Stimulation zu erreichen. Ferner ist es möglich, dass die eingesetzte Elektrode kurz nach dem Eingriff verrutschen kann, wenn sich der Patient zu schnell oder ruckartig bewegt. Dadurch wird die geplante Wirkung herabgesetzt. Außerdem muss beim vollimplantierten System nach einigen Jahren ein weiterer operativer Eingriff erfolgen, da die Energiequelle Batterie irgendwann erschöpft ist und ausgetauscht werden muss.

Ist der Eingriff schmerzhaft und wann kann ich wieder normal arbeiten/Sport treiben?

Nein, da er bei einer gezielten Lokalanästhesie durchgeführt wird und während der gesamten Dauer des Eingriffs ein Anästhesist anwesend ist, der Stärke und Wirkung der Betäubung überwacht. Nach etwa 3-4 Tagen ist es wieder möglich, einem normalen Arbeitstag nachzugehen und nach etwa 10 Tagen kann auch wieder Sport getrieben werden.

Wie hoch sind die Kosten bei einer „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) und wer übernimmt diese?

Die Kosten für eine Spinal Cord Stimulation“(Rückenmarkstimulation) variieren je nach dem, welches System gewählt wird und welcher Aufwand für die richtige Positionierung der einzelnen Elektroden erforderlich ist. Diese Methode der „Spinal Cord Stimulation“(Rückenmarkstimulation) kann von den Kassen übernommen werden, sofern eine eindeutige Diagnose, dass andere Methoden immer wieder scheitern und ein zu hoher Medikamentenkonsum erforderlich wäre, vorliegt. Bitte lassen Sie sich im Vorfeld von einem Experten ausführlich über die „Spinal Cord Stimulation“ (Rückenmarkstimulation) beraten.

Mehr Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema "Spinal Cord Stimulation" oder zu unserem Experten, Dr. Christian Wille,  finden Sie hier:

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