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Experten-Sprechstunde

Organische Essstörungen

Dr. Britta Manchot

In dieser Experten-Sprechstunde beantwortet ein Experte Fragen von Patienten zum Thema Organische Essstörungen

Sicherlich kennen Sie psychische Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie. Diese werden in der Medizin als psychische Krankheitsbilder angesehen, da ihre Entstehung durch psychische und gesellschaftliche Faktoren wie Schönheitsideale, Selbstzweifel, Perfektionismus u. ä. beeinflusst wird. Es kommt dabei zu einem gestörten Essverhalten und einem verzerrten Selbstwertgefühl.

Neben diesen psychischen Erkrankungen gibt es auch sogenannte organische Essstörungen. Diese sind nicht auf eine gestörte Wahrnehmung des eigenen Körpers zurückzuführen, sondern haben ihre Ursache in organischen oder hormonellen Krankheiten. Man könnte auch sagen, es handelt sich um eine Art Funktionsstörung der Organe. Die Betroffenen führen ihre Gewichtszunahme oder -abnahme also nicht selbst herbei, sondern leiden vielmehr unter dieser Belastung, da sie die Ursache für ihre körperliche Veränderung nicht kennen.

Wie gesagt, organische Essstörungen zeichnen sich durch körperliche Veränderungen aus, die von den inneren Organen bzw. Krankheiten des Körpers ausgehen. Falls Sie also in den letzten Monaten beobachten haben, dass Sie ohne Ihr aktives Hinzutun mehrere Kilogramm abgenommen oder zugenommen haben, sollte dieser Umstand ärztlich abgeklärt werden. Denn so versucht der Körper auf sich aufmerksam zu machen und zu signalisieren „Hier drin stimmt was nicht.“

Ein weiteres Symptom von organischen Essstörungen kann auch ein verändertes Essverhalten sein, beispielsweise Appetitlosigkeit. Hält dieser Zustand lange Zeit an, lässt das Hungergefühl mit der Zeit nach und der Körper beginnt aus seinen Fettreserven zu schöpfen. Weitere Symptome für organische Essstörungen bzw. eine Funktionsstörung der Organe können sein:

  • Häufige Heißhungerattacken ohne Gewichtszunahme
  • Blässe oder unnatürliche Hautfarbe
  • Gesteigerte Stuhl- oder Urinfrequenz
  • Haarausfall
  • Brüchige Nägel
  • mangelndes Durstempfinden
  • Abfall der Leistungsfähigkeit
  • Schlaflosigkeit bzw. Müdigkeit
  • Zyklusstörungen bei Frauen
  • Krankhafte Wassereinlagerung (Ödeme)
  • Unfruchtbarkeit
  • Problematische Haut (z.B. unerklärte Ausschläge, trockene Haut)

Da haben Sie haben Recht, viele dieser Symptome können auch andere Ursachen haben, die z.B. genetisch oder durch Faktoren wie Stress, Dauerbelastung oder im Fall der Hautprobleme auch allergisch bedingt sind. Doch was organische Essstörungen davon unterscheidet sind ihre Auslöser. Eine Funktionsstörung der Organe, die sich mit Charakteristika einer Essstörung bemerkbar macht, ist immer auf eine Störung des Hormon- und Neurotransmitterhaushalts zurückzuführen.

Das heißt, gerät das Geleichgewicht des Hormonhaushalts aufgrund einer hormonellen oder enzymatischen Störung ins Wanken, können Stoffwechselprozesse ihre Arbeit nicht korrekt ausführen. Dazu gehören beispielsweise die Verwertung und der Abbau von Fetten, Kohlenhydraten, Vitaminen und Spurenelementen ebenso wie die Aufnahme von Wasser und Mineralstoffen. Folglich lassen sich spezifische Krankheiten als Ursache für organische Essstörungen eingrenzen. Solche Auslöser können zum Beispiel sein:

  • Fehlfunktion der Schilddrüse (Schilddrüsenunter- oder überfunktion)
  • Diabetes mellitus
  • Hormonelle Störungen
  • Störungen des Verdauungstrakts (Malassimilation bzw. Malabsorptionssyndrom)
  • Störungen der Herz- und Leberfunktion
  • Störungen des Wasser-Elektrolyt-Haushalts

In Folge dieser, können die Nährstoffe aus der Nahrung nur bedingt aufgespalten und vom Körper nicht ordentlich verwertet werden. Eine nicht ausreichende oder erhöhte Produktion von Hormonen kann zu Überversorgung bzw. Mangelerscheinungen führen und bringt, von den Gewichtsschwankungen abgesehen, weitere Begleitsymptome mit sich, die die Leistungsfähigkeit und Gesundheit des Betroffenen beeinträchtigen.

Aber auch das Gegenteil kann eintreten: Unausgewogene Ernährung und Bewegungsmangel lösen solche Erkrankungen aus und können gleichermaßen als Ursache und Folge für die Entstehung einer organischen Essstörung angesehen werden. Sie sehen, nicht immer ist eine konkrete Abgrenzung möglich, doch mit fachlicher Kompetenz und geeigneter Diagnostik kann Ihr Arzt den Ursachen auf den Grund gehen.

Wie jedes andere Krankheitsbild auch, können Stoffwechselstörungen mit der Zeit zu Begleitsymptomen führen oder mit anderen Erkrankungen einhergehen. Organische Essstörungen sind in soweit gefährlich für die Gesundheit, indem sie selten von den Betroffenen selbst erkannt werden und daher in einer fortgeschrittenen Phase mit der Therapie begonnen wird. Denn wenn Sie ehrlich sind, einen ungeplanten Gewichtsverlust, würden Sie erstmal nicht als gesundheitsgefährdend ansehen, sondern sich womöglich darüber freuen.

Was organische Essstörungen so tückisch macht, sind ihre späten Folgen. So kann die Entwicklung von Bluthochdruck, Diabetes, Osteoporose oder Amenorrhoe (Ausbleiben der Menstruation) gefördert werden. Auch die Einlagerung von unnötigem Körperfett birgt für Knochen, Herz und Leber (Fettleber) hohe Risiken. Die Wahrscheinlichkeit für einen Herzinfarkt oder Schlaganfall steigt. Wassereinlagerungen oder Dehydration führen letztlich zu Erkrankungen der Nieren.

Nun, wenn Sie eins oder mehrere Symptome bei sich feststellen und man diese schon fast als chronisch bezeichnen kann, sollten Sie in jedem Fall eine ärztliche Meinung einholen und die Beschwerden abklären. Anhand eines umfassenden Gesprächs zu ihrem Allgemeinzustand, ihrer Krankengeschichte sowie der aktuellen Beschwerden können erste Rückschlüsse gezogen werden.

Auch Blut- und Stuhluntersuchungen sowie ein Glukosetoleranztest können erste Anhaltspunkte liefern, auf deren Grundlage dann ein Therapieplan erstellt wird. Zusätzlich gibt es auch die Möglichkeit eine sogenannte bioelektrische Impedanzanalyse (BIA-Messung) bei Ihrem Hausarzt durchführen zu lassen.

Körpergröße und Gewicht allein reichen nicht aus, um eine fundierte und tiefgehende Analyse über die Körperzusammensetzung zu geben, denn auch der Anteil von Körperfett, Muskeln und Wasser spielt dabei eine maßgebliche Rolle. Hierfür wurde die bioelektrische Impedanzanalyse, kurz BIA-Messung, erfunden. Dabei handelt es sich um ein Messgerät, das in wenigen Sekunden eine valide Körperanalyse ermöglicht. Anhand dieser kann die körperliche Zusammensetzung in ihre Bestandteile

  • Fettmasse
  • fettfreie Masse
  • Skelettmuskelmasse
  • Körperwasser
  • Verhältnis von Fett- und Muskelmasse
  • Wasserhaushalt
  • Zellqualität
  • Bauchfett

eingeteilt, einzeln gemessen und ausgewertet werden. Die BIA-Messung gibt Aufschluss über die Gesundheit und Funktion des Körpers und stellt ein Diagnoseinstrument dar, basierend auf dessen Messergebnissen weitere Behandlungsschritte eingeleitet werden. Besonders bei organischen Essstörungen erlauben solche Daten Rückschlüsse auf die Funktion der Organe und bestimmte Krankheitsbilder zu ziehen.

Aber gerne. Stelle Sie sich bitte einen Schwergewichtsboxer und eine normal gewichtige Person vor. Der Boxer wiegt verhältnismäßig viel und würde nach dem Body-Mass-Index (BMI) als übergewichtig eingestuft werden. Dass sein Körpergewicht allerdings überwiegend durch Muskelmasse zustande kommt, ist auf den ersten Blick nicht zu erkennen. Ebenso verhält es sich mit der scheinbar gesunden Person. Sein Gewicht allein, verrät Ihnen nicht, dass sein Wasseranteil im Körper zu hoch ist und er eigentlich ein Risikopatient für eine Nieren- oder Herzschwäche ist.

Die grobe Unterscheidung mangelernährter oder adipöser Personen scheint einfach. Dabei können die Äußerlichkeiten ganz schön trügen. Um solche Fehlannahmen zu verhindern und dem Patienten, die Behandlung zukommen zu lassen, die er wirklich benötigt, wird die bioelektrische Impedanzmessung eingesetzt.

Sie kann den Anteil von Körperfett messen, ihn in Relation zu Körpergewicht, Größe sowie den anderen Bestandteilen wie Muskelmasse setzen und daraus Ergebnisse liefern, die eine Beurteilung über die Ernährungsweise bzw. den Ernährungszustand, die körperliche Aktivität des Patienten sowie die Funktion der Organe ermöglicht. Als Diagnoseinstrument sowie zur Verlaufskontrolle bei einer Behandlung, sowie ärztlicher Überwachung bei Sportlern oder Diäten wird es daher gern eingesetzt.

Da die bioelektrische Impedanzanalyse eine Privatleistung darstellt, müssen die Kosten leider vom Patienten selbst getragen werden. Mit durchschnittlich 25 bis 30 € ist die BIA-Messung durchaus erschwinglich. Setzt man die Erfahrungs- und Messwerte dem gegenüber, erscheint dies eine durchaus lohnenswerte Investition, die Ihrer Gesundheit zu Gute kommt.

Die Experten-Sprechstunde dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose und ersetzt eine Behandlung weder medizinisch noch rechtlich. Die Antworten spiegeln die Meinung des Autors wider und nicht die der Betreiber von www.pluspatient.de

Zuletzt aktualisiert am: 06.10.2020

Hausärztin
Dr. Britta Manchot

Präventive Medizin, Hormontherapie bei Männern & Frauen


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