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Expertensprechstunde:

Kieferorthopädie bei Kindern

Die Zahnärztin Negin Amoui beantwortet uns im Rahmen dieser Expertensprechstunde Fragen von Patienten.

 

> zum Experten-Profil von Frau Amoui

Was genau ist eigentlich Kieferorthopädie?

Die Kieferorthopädie ist ein Fachgebiet der Zahnmedizin und befasst sich mit der Erkennung, Verhütung und Behandlung von Zahn- und Kieferfehlstellungen und Kiefergelenksschmerzen. Wobei es natürlich um das schönen Aussehen gerade stehender Zähne, aber insbesondere auch um die Erhaltung und Wiederherstellung wichtiger gesundheitlicher Faktoren geht. Ziel der Kieferorthopädie ist neben einem Optimum an Ästhetik immer das regelgerecht funktionierende Gebiss, damit es bei richtiger Pflege möglichst lange gesund bleibt.

Ich bin 35 Jahre alt und mein Zahnarzt meinte, dass er die weitere Behandlung gerne einem Kieferorthopäden überlassen würde. Ich bin immer davon ausgegangen, dass Kieferorthopädie nur bei Kindern und Jugendlichen angewendet wird. Warum muss ich jetzt zum Kieferorthopäden?

Kieferorthopädie ist keine Frage des Alters – moderne Behandlungstechniken ermöglichen eine Korrektur von Zahnfehlstellungen in jedem Alter. Auch für Erwachsene ist die Kieferorthopädie manchmal unverzichtbar, denn Zahnfehlstellungen gefährden den Zahnbestand, beeinträchtigen Kau- und Sprechfunktionen und schmälern die Zahn- und Gesichtsästhetik.

Übernehmen die Krankenkassen bei gesetzlich Versicherten die Kosten für eine kieferorthopädische Behandlung?

Beim ersten Termin beim Kieferorthopäden wird die Behandlungsnotwendigkeit überprüft. Für Kinder gibt es die “Zahnspange zum Nulltarif“. Bei massiven Zahnfehlstellungen bezahlt die gesetzliche Krankenversicherung eine Behandlung beim Kieferorthopäden komplett. Als medizinisch notwendig gilt eine Korrektur der Zähne und des Kiefers, wenn das Kauen, Beißen, Sprechen oder Atmen erheblich beeinträchtigt wird oder die Fehlstellung in Zukunft Probleme machen könnte. Die Kasse trägt dann 80 Prozent der Kosten der Behandlung für Kinder und Jugendliche. 20 Prozent muss der Versicherte zunächst selbst bezahlen. Wird die Behandlung erfolgreich abgeschlossen, erstattet die Kasse den Eigenanteil wieder zurück. Wird die Zahnkorrektur allerdings vorzeitig abgebrochen oder bleibt sie erfolglos, etwa weil der Patient die Spange nicht regelmäßig trägt, kann die Kasse die Erstattung verweigern. Bei Erwachsenen können Steuerersparnismöglichkeiten (nach § 33 Einkommensteuergesetz) möglich sein.

Wie genau läuft eigentlich eine kieferorthopädische Behandlung ab?

Nach dem ersten Termin, bei dem die Behandlungsnotwendigkeit überprüft wird, erfolgt eine ausführliche Diagnostik. Das beinhaltet das Anfertigen von Röntgenbildern und normalerweise eine Abformung von beiden Kiefern zur Erstellung eines Modells. Erst dann können die Vor- und Nachteile verschiedener Behandlungswege besprochen und ein Heil- und Kostenplan erstellt werden.

Nach Beginn der Behandlung, gleich ob beim Erwachsenden oder beim Kind, ist die Mitarbeit des Patienten unerlässlich. Dann geht es darum, dass die Therapie anweisungsgemäß durchgeführt werden kann. Das betrifft auch das gewissenhafte Einhalten der Kontrolltermine und vor allem die sorgfältige Zahnpflege.

Ich stehe mitten im Berufsleben und kann mir eine sichtbare Spange im Gesicht nicht erlauben. Aber ich leide unter meinen schräg stehenden Zähnen. Kann man da nichts machen?

Doch, natürlich. Viele erwachsene Menschen haben ähnliche Probleme. Die moderne Kieferorthopädie kennt aber einige Methoden, um Ihnen zu helfen. Bei der Invisalign-Behandlung werden die Zähne durch eine Serie fast unsichtbarer Schienen (Aligner) in die vorbestimmte Position bewegt. Alle zwei Wochen erhält der Patient dafür einen neuen Satz maßgefertigter Aligner, die komfortabel und herausnehmbar sind. Außerdem gibt es noch die Lingualtechnik, bei der unsichtbar und festsitzende Brackets auf der Rückseite der Zähne angebracht und dann schrittweise in die gewünschte Endposition bewegt werden. Auf der Vorderseite angebrachte Keramikbrackets erreichen genau wie herkömmliche metallische Brackets das Behandlungsziel, sind aber kaum sichtbar.

Mein Sohn ist 14 und unser Zahnarzt rät dringend zu einer kieferorthopädischen Behandlung. Jetzt sträubt sich mein Sohn natürlich vor einer Zahnklammer. Können Sie mir erläutern, was schief stehende Zähne für Folgen haben, damit ich ihn leichter überzeugen kann?

Enge und schief stehende Zähne stören nicht nur die Ästhetik, sie erschweren durch schwer zugängliche Nischen auch die Reinigung des Mundraumes. Die entstehenden Zahnbeläge erhöhen das Kariesrisiko. Der Zahnhalteapparat wird

überlastet, dies begünstigt Parodontose und damit die Gefahr eines frühzeitigen Zahnverlustes. Außerdem können Fehlstellungen zu mangelndem Lippenschluss führen, dadurch kommt es häufig zu Mundatmung. Die Folge: größere Anfälligkeit gegen Erkältungs-krankheiten und höheres Kariesrisiko. Weitere mögliche Folgen von Zahnfehlstellungen sind die Beeinträchtigung der Kaufunktion und dadurch der Verdauungsfunktion, Verspannungen der Gesichts- und Kaumuskulatur, Schmerzen im Nackenbereich und im Kiefer sowie Ohrgeräusche.

Sie merken, hat Ihr Zahnarzt einmal Fehlstellungen diagnostiziert, führt kein Weg an einer kieferorthopädischen Behandlung vorbei. Aber die moderne Kieferorthopädie bietet Kindern und Jugendlichen auch “trendige“ Möglichkeiten.

Ich bin 16 Jahre und soll demnächst eine festsitzende Klammer erhalten. Mein Kieferorthopäde hat mir aber noch nicht einmal gesagt, wie lange ich die Klammer tragen muss. Können Sie mir vielleicht helfen?

Der individuelle Heil- und Kostenplan legt in der Regel die einzelnen Schritte der Behandlung fest. Die Behandlungsdauer liegt im Normalfall zwischen sechs Monaten und drei Jahren. Bitte wenden Sie sich vertrauensvoll an Ihren Kieferorthopäden und bitten ihn um eine Erläuterung Ihres Heil- und Kostenplans.

Mehr Informationen

Weiterführende Informationen zum Thema Kieferorthopädie bei Kindern oder zu unserer Expertin, der Zahnärztin Negin Amoui aus Düsseldorf, finden Sie hier:

> zum Experten-Profil von Frau Amoui

> zur Praxis-Homepage

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