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Experten-Sprechstunde

Schwindeltherapie

Dr. Gerhard Lange-Manchot

In dieser Experten-Sprechstunde beantwortet ein Experte Fragen von Patienten zum Thema Schwindeltherapie

Zunächst ein Wort zur Häufigkeit der Schwindeltherapie: Etwa 2 von 100 Menschen haben irgendwann in ihrem Leben einen so genannten gutartigen Lagerungsschwindel, die häufigste Form von Schwindel, wobei bei Frauen das Risiko etwa doppelt so hoch ist wie bei Männern.

Damit gehören Schwindel und Gleichgewichtsstörungen neben Kopf- und Rückenschmerzen zu den häufigsten Beschwerden. Allerdings ist Schwindel streng genommen keine eigenständige Krankheit, sondern ist ein multisensorisches Syndrom, das sich auf unterschiedliche Weise äußert und vielfältige Ursachen besitzt.

Wer häufiger - sowohl regelmäßig in bestimmten Situationen als auch unregelmäßig - unter Schwindelattacken leidet, sollte zunächst einen darauf spezialisierten Hausarzt (Facharzt für Allgemeinmedizin) aufsuchen. Dieser kennt den Patienten in seiner Gesamtheit, kann die konkrete Art des Schwindels diagnostizieren und zur Schwindeltherapie an den fachlich geeigneten Facharzt überweisen.

Eine Schwindeltherapie ist deshalb wichtig, da ein unbehandelter Schwindel zu einer lebensbedrohlichen Belastung (psychische Folgen) und zu schweren Unfällen (Stürze oder  sogar Autounfälle) führen kann. Hinter dem Schwindel können sich neurologische Störungen, Ohren-Erkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, aber auch psychische Ursachen wie eine Angststörung verbergen. Eine Schwindeltherapie ist daher in jedem Fall angebracht.

Man unterscheidet grundsätzlich zwischen gutartigem Lagerungsschwindel, vestibulärem Schwindel und Morbus Meniére (Meniére-Krankheit).

Der gutartige Lagerungsschwindel oder BPLS (steht für: benigne paroxymale Lagerungsschwindel, wobei benigne „gutartig” bedeutet und paroxymal „anfallsweise”) ist die am häufigsten vorkommende Form des Schwindels. Einen „bösartigen” Lagerungsschwindel gibt es in der Form übrigens nicht. Der Begriff „gutartiger Lagerungsschwindel“ soll bedeuten, dass er keine unmittelbaren Schäden durch seine bloße Existenz auslöst. Unbehandelt können natürlich Schäden in Form von Stürzen, Unfällen und psychischen Belastungen entstehen.

Der gutartige Lagerungsschwindel tritt in der Regel spontan auf und ist harmlos, aber für betroffene Patienten natürlich äußerst unangenehm und kann in Extremsituationen, wie bereits angesprochen, zu schweren Stürzen und Unfällen sowie langfristig unbehandelt auch zu psychischen Beschwerden führen. Grund für den Schwindel ist eine Störung des Gleichgewichtssinns, bei dem sich Otholithen (das sind kleine Calciumkarbonatkristalle) lösen und in einen der Bogengänge im Innenohr fallen. Das erzeugt einen Lymphsog, der wiederum zu widersprüchlichen Informationen im Gehirn führt und den Schwindel auslöst.

Der vestibuläre Schwindel (auch: Neuronitis vestibularis oder Neuritis vestibularis) beschreibt einen häufig durch Viren hervorgerufenen akuten einseitigen Ausfall des Gleichgewichtsorgans (Vestibularapparat), häufig gepaart mit Drehschwindel, Übelkeit, Erbrechen, Fallneigung, Augenzittern.

Die Meniére-Krankheit (Morbus Meniére, nach dem französischen Arzt Prosper Meniére, 1799-1862) ist eine Erkrankung des Innenohrs, die charakteristisch ist durch Schwindel, Schwerhörigkeit bis zum Hörverlust und Tinnitus. Bei allen drei Symptomen zugleich spricht man von einer Meniére-Trias. Auch hier können Übelkeit und Erbrechen, Augenzittern, Herzrasen und Schweißausbrüche auftreten.

Nur die korrekte Diagnostik der jeweils vorhandenen Schwindelform kann zur richtigen Schwindeltherapie führen.

Das Komplizierte an der Schwindeltherapie ist, die teils ähnlichen Symptome dennoch der korrekten Ursache zuzuordnen, die - gepaart mit der Diagnostik - Grundlage für ebenjene Schwindeltherapie ist. Dazu ist eine ganzheitliche Betrachtung des Betroffenen und seiner Beschwerden für eine gezielte Therapie wichtig. Neben den bereits genannten Ursachen können das sein:

  • Neurologische Störungen
  • Folgen durch Unfälle (z.B. Verkehrsunfälle, Sportunfälle)
  • Verletzungsfolgen (z.B. durch Schädel-Hirn-Trauma)
  • Durchblutungsstörungen im Gehirn (Arteriosklerose, Schlaganfall)
  • Multiple Sklerose
  • Herz-Kreislauf-Erkrankungen
  • Migräne
  • Mangel Vitamin B12 (beispielsweise durch verschiedene Magen-Darm-Erkrankungen wie Morbus Crohn, chronisch-entzündliche Darmerkrankungen oder Reizdarmsyndrom)
  • (Beruflicher) Stress
  • Panikattacken
  • Übermäßiger Alkoholkonsum und Rauchen
  • Bestimmte Augenkrankheiten mit Wahrnehmungsstörungen
  • Bestimmte Medikamente (z.B. Antidepressiva, Antiepileptika)
  • Orthopädische Fehlstellungen

Da sich die verschiedenen Formen von Schwindel teils sehr ähnlich äußern können, kann der Facharzt nur durch eine sorgfältige Anamnese und Diagnostik, die den Körper in seiner Gesamtheit begreift, die konkret vorliegende Form des Schwindels erfassen.

Die recht einfache Provokation einer Schwindelattacke durch gezielte Lagerungswechsel ist ein Indiz für einen gutartigen Lagerungsschwindel, einen endgültigen  Nachweis bieten aber nur modernste Diagnose- und Behandlungstechniken, die elektrophysiologische Untersuchungen der Sinnesorgane sowie psychologische und bildgebende Verfahren umfassen. Betroffene Patienten sollten also vermeiden, aufgrund der Hinweise in dieser Expertensprechstunde oder aufgrund teils sehr umfassender Informationen im Internet eine Selbstdiagnose zu stellen und selbständig einen Behandlungsplan zu erstellen.

Je nach individuellem Krankheitsbild erfolgt die Schwindeltherapie mit Lagerungsänderungen, mit Physiotherapie, teils Psychotherapie, medikamentös und selten auch mit operativen Maßnahmen.

Zunächst sollten sich Patienten an ihren (auf Schwindel spezialisierten) Hausarzt wenden, der die Gesamtheit des Patienten im Blick hat, über ein großes interdisziplinäres Fachärztenetzwerk verfügt und anhand der Diagnostik zum richtigen Facharzt überweisen kann. Dies können Neurologen, Hals-Nasen-Ohrenärzte, Augenärzte und Orthopäden sein, die in der Schwindeltherapie von Psychotherapeuten und Physiotherapeuten unterstützt werden.

Mittlerweile nehmen viele gesetzliche Krankenkassen, aber nicht alle, an der „Integrierten Versorgung Schwindel” zur Behandlung einer chronischen Schwindelerkrankung teil und übernehmen die Kosten für eine Schwindeltherapie.

Ein Anruf bei Ihrer Krankenkasse bringt Gewissheit. Aber Achtung: Patienten sollten sich in jedem Fall vor einer Terminvereinbarung informieren und die Kostenübernahme der Schwindeltherapie genehmigen lassen, um nicht auf den Kosten für eine Erstberatung und Erstaufnahme sitzen zu bleiben. Auch verlangen manche Krankenkassen, die die Kosten der Schwindeltherapie übernehmen, dennoch eine vorherige Genehmigung.

Die Experten-Sprechstunde dient nur der allgemeinen Information, nicht der Selbstdiagnose und ersetzt eine Behandlung weder medizinisch noch rechtlich. Die Antworten spiegeln die Meinung des Autors wider und nicht die der Betreiber von www.pluspatient.de

Zuletzt aktualisiert am: 06.10.2020

Hausarzt
Dr. Gerhard Lange-Manchot

Allgemeinmedizin von A - Z, Ernährungsmedizin & Patientenverfügungen


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